Namenlos

by Felix Dörmann

Ich habe nur ihr großes Herz gekannt Und ihres teuren Leibes Paradies. - Nicht weiß ich, wer sie war und wie sie hieß, Denn ihren Namen hat sie nie genannt. Doch auch den meinen wies sie stolz zurück: "Ich brauch' ihn nicht! – In meiner Seele lebt Für alle Zeit das namenlose Glück, Mit der Erinnerung an Dich verwebt." - Du bist ihr gleich, Du bräunlich blasses Kind. - Dein tiefgelegenes, dunkles Auge rief Vergangnes jach empor. – Ein Wirbelwind Wühlt Alles auf, was tränenmüde schlief. Und wieder flutet um das teure Bild Der süßesten Erinnerungen Meer, Und aus der Seele, stoßend, dumpf und schwer, Ein fassungsloses Schluchzen bricht und quillt. 2. Manches Mal, in stillen Nächten, Steigt mir noch Dein Bild empor Und ich kann's nicht, kann's nicht fassen, Daß ich Dich so ganz verlor. Deine großen, braunen Augen, Mit den Wimpern lang und schwer, Blicken ganz noch wie vor Zeiten Warm und innig zu mir her. Als in jener dunklen Stunde In das fremde Land Du gingst Und zum allerletzten Male Weinend mir am Halse hingst, Damals hast Du mir versprochen: "Hören wirst Du bald von mir" Aber niemals kam ein Zeichen, Niemals nur ein Gruß von Dir. ------------------------------------------- Wilder Schmerzen wüstes Toben Hat in Wehmut sich gewandt, Und im raschen Lauf der Tage Selbst Dein Bild dem Geist entschwand. - Manchmal nur in stillen Nächten Steigt es mir noch heiß empor - Und ich kann's nicht, kann's nicht fassen, Daß ich Dich so ganz verlor. (S. 44-45)

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