Nacht

by Paul Haller

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Nacht Mit stummen Glocken läutet Die Nacht durchs müde Feld. Mit weißen Fingern deutet Der Mond auf die gestorbne Welt.

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Mein Ohr hört eine Brandung

Die keinen Felsen hat, Mein Auge sieht die Landung Des Geisterschiffs an ferner Stadt. Dort braust ein Jubelklingen

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Wie’s hier kein Ohr vernahm;

Dort glänzt aus goldnen Ringen Ein Bildnis himmlisch, wundersam. Auf Tönen, stark und milde, Fliegt mein entrückter Sinn;

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Vor jenem klaren Bilde

Neigt sich mein Leib in Demut hin. O Lebensstrand voll Freude, Wie ferne magst du sein! O selger Sehnsucht Weide,

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Wo leuchtet mir dein grüner Schein?

Laß deiner Lust Gedröhne Mir fern herüber wehn, Und deines Bildes Schöne Im Traum vor meinen Pfaden stehn!

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