Nacht
[32]
Nacht Mit stummen Glocken läutet Die Nacht durchs müde Feld. Mit weißen Fingern deutet Der Mond auf die gestorbne Welt.
5
Mein Ohr hört eine Brandung
Die keinen Felsen hat, Mein Auge sieht die Landung Des Geisterschiffs an ferner Stadt. Dort braust ein Jubelklingen
10
Wie’s hier kein Ohr vernahm;
Dort glänzt aus goldnen Ringen Ein Bildnis himmlisch, wundersam. Auf Tönen, stark und milde, Fliegt mein entrückter Sinn;
15
Vor jenem klaren Bilde
Neigt sich mein Leib in Demut hin. O Lebensstrand voll Freude, Wie ferne magst du sein! O selger Sehnsucht Weide,
20
Wo leuchtet mir dein grüner Schein?
Laß deiner Lust Gedröhne Mir fern herüber wehn, Und deines Bildes Schöne Im Traum vor meinen Pfaden stehn!