Mondscheintrunkne Lindenblüthen

by Heinrich Heine

     „Mondscheintrunkne Lindenblüthen, Sie ergießen ihre Düfte, Und von Nachtigallenliedern Sind erfüllet Laub und Lüfte.

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     „Lieblich läßt es sich, Geliebter,

Unter dieser Linde sitzen, Wenn die goldnen Mondeslichter Durch des Baumes Blätter blitzen.      „Sieh dies Lindenblatt! du wirst es

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Wie ein Herz gestaltet finden;

Darum sitzen die Verliebten Auch am liebsten unter Linden.

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     „Doch du lächelst, wie verloren

In entfernten Sehnsuchtträumen –

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Sprich, Geliebter, welche Wünsche

Dir im lieben Herzen keimen?“      Ach, ich will es dir, Geliebte, Gern bekennen, ach, ich möchte, Daß ein kalter Nordwind plötzlich

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Weißes Schneegestöber brächte;

     Und daß wir, mit Pelz bedecket Und im buntgeschmückten Schlitten, Schellenklingelnd, Peitschenknallend, Ueber Fluß und Fluren glitten.

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