An Mira
[126] An Mira. Traum der Jugend, so oft geträumt, Und zerronnen, zerstoben, Noch beim Nahen der langen Nacht Hält mich dein Zauber umwoben. –
Mit dem nämlichen Werben, Und das alte törichte Herz Denkt nicht an Welken und Sterben. – Was verloren ich längst geglaubt
Will, wie die Rose von Jericho, Neu mir in Schönheit erblühen. – Wieder schimmernd und schwanenweiß Seh’ ich Arme mir winken –
Darf ich noch einmal ihn trinken? – [127] Darf ich auch nur, Mira, dich umkosen, Wie der Zephir kost um junge Rosen In verschwieg’nen sommerschwülen Nächten –
Deiner Herzensträume niedersteigen, Muß mich beherrschen auch und schweigen, Eines, eines darf ich doch dir sagen: Liebeswunde hast du mir geschlagen,
Liebeswunde, die nicht kann vernarben. – * Brächte gern dir rote Rosen Täglich, stündlich, immer neue – Möchte dich mit ihrem Dufte
Und für meine roten Rosen Raubte ich dir Feuerküsse, Küsse, die das Herze klopfen Und die Pulse fiebernd machen. –
Kann dir keine Rosen bringen, Kann nur sehnen, kann nur träumen Und von deiner Schöne singen. – * Weißt du, wie Zigeuner lieben?
Einzig nur den Flammentrieben Ihres heißen Herzens folgend. – Auch Poeten sind Zigeuner, Schweifend in Phantasus Reiche,
Mit dem Gluthauch der Zigeuner. –