Meningitis tuberculosa
[152] Meningitis tuberculosa Die Augen irren kreuz und quer, Die Hände krabbeln hin und her, Der dünne Atem zieht so schwer, Nun schlägt auch bald das Herz nicht mehr.
All’ Gram und Schmerz zur Ruh’ gebracht, Die schlaffe Lippe singt und lacht Wie Abendwind ob Grabesschacht. Die Hand in meiner brennt so heiß,
In ihrem Innern perlt der Schweiß Gleich Morgentau auf Blütenreis. Das Auge glänzt, der Atem pfeift, Die Schwester nach dem Doktor schweift,
Die Mutter in die Wolken greift. Drei Klageweiber treten ein, Sie fangen gräßlich an zu schrein: O Gott, o Gott, o Mägdelein,
[153] Gebrochen unter Ach und Weh, Sie sinken auf das Kanapee; Die Mutter kommt mit dem Kaffee, Sie blicken schluchzend in die Höh’.
Die Weiber hören nichts davon, Sie plappern über Mägdelohn – Das junge Leben ist entflohn.