Lied des Gefangenen

by Heinrich Heine (1797–1856) · 1827 German

Als meine Großmutter die Lise behext,
Da wollten die Leut sie verbrennen.
Schon hatte der Amtmann viel Dinte verklext,
Doch wollte sie nicht bekennen.

Und als man sie in den Kessel schob,
Da schrie sie Mord und Wehe;
Und als sich der schwarze Qualm erhob,
Da flog sie als Rab’ in die Höhe.

Mein schwarzes, gefiedertes Großmütterlein!
O komm’ mich im Thurme besuchen,
Komm’! fliege geschwinde durch’s Gitter herein,
Und bringe mir Käse und Kuchen.

Mein schwarzes, gefiedertes Großmütterlein!
O möchtest du nur sorgen,
Daß die Muhme nicht auspickt die Augen mein,
Wenn ich luftig schwebe morgen.

Source: Wikisource

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