Worzu dient so süsses Blicken / Wenn du bist in nichts verliebt? Ists / daß unser Seuffzer-schicken Cloris dir Vergnügen giebt?
Zwar offt heist das Herze geben Sich begeben seiner Ruh / Doch wer immer frey will leben / Bringt sein Leben übel zu.
Schönheit mit Verstand vermählet Trifft offt schlechte Gleichheit an: Manch getreues Herz erwehlet Was nicht Farbe halten kan:
Fremde Qual heist Achtung geben Was für eine Wahl man thu; Doch / wer unverliebt will leben Bringt sein Leben übel zu.
Liebe Cloris / lieb in Zeiten / Liebe was dich wieder liebt / Was dir / ohne Widerstreiten / Sein getreues Herze giebt.
Lieb' und Gegen-Liebe geben Süsse Lust und stille Ruh / Wer von Liebe frey will leben Bringt sein Leben übel zu. (aus: Anemons und Adonis Blumen S. 253)
Könte man für Liebe sterben / wär ich längstens kalt und todt
Solte sie ein Feuer heissen / wär ich längstens Asch und Koth:
Doch ist sie kein Tod zu nennen / woher fühl ich solche Schmerzen? …
Mein Bette / glaub ich / ist mit Disteln überstreuet
Das weichste Küssen wird für mich ein harter Stein.
Mein Leib / der weder Stroh noch Erde vor gescheuet …