Liebe und Gegen-Liebe

by Hans Aßmann Freiherr von Abschatz


Worzu dient so süsses Blicken /
Wenn du bist in nichts verliebt?
Ists / daß unser Seuffzer-schicken
Cloris dir Vergnügen giebt?

Zwar offt heist das Herze geben
Sich begeben seiner Ruh /
Doch wer immer frey will leben /
Bringt sein Leben übel zu.

Schönheit mit Verstand vermählet
Trifft offt schlechte Gleichheit an:
Manch getreues Herz erwehlet
Was nicht Farbe halten kan:

Fremde Qual heist Achtung geben
Was für eine Wahl man thu;
Doch / wer unverliebt will leben
Bringt sein Leben übel zu.

Liebe Cloris / lieb in Zeiten /
Liebe was dich wieder liebt /
Was dir / ohne Widerstreiten /
Sein getreues Herze giebt.

Lieb' und Gegen-Liebe geben
Süsse Lust und stille Ruh /
Wer von Liebe frey will leben
Bringt sein Leben übel zu.
(aus: Anemons und Adonis Blumen S. 253)

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