Letzte Nacht

by Bruno Ertler (1889–1927) · 1919 German

Hörst du? es mahnt der laue Wind
draußen in knospenden Bäumen,
küßt in der silbernen Lenzesnacht
tausend ahnende Blüten wach —
treulos tollt er und flieht geschwind,
kennt kein Träumen und Säumen.
Doch die Knospen, sie fühlen das Glühen
des Lebenskusses und müssen blühen.

Hörst du? Es wirbt der Frühjahrswind:
Küss' in der Nacht, da die Knospen sind,
in den Stunden der werdenden Lieder!

Hörst du? Er flieht mit der Jugendzeit —
morgen schon bin ich wie er so weit —
nimmer seh' ich dich wieder. — (S. 76)
_____

More poems by Bruno Ertler

  • Abend

    Hinter blauen Bergen
    glüht der Abend aus.
    Segen sinkt hernieder …
  • Abschied

    — — — — — — —
    und nun leb’ wohl —.
    Noch einmal deine Hand — …
  • Begegnung

    Führte zu dir mich des Zufalls Spiel,
    oder war es ein Gott mit Willen und Ziel?
    Ich mag nicht fragen; ich weiß es nicht. …
  • Bitte

    Senke mir die Rosenkrone
    tief in meine Stirne. —
    Sehnsucht ließ zu dir mich finden …

All poems by Bruno Ertler →