Komm her und laß dich küssen

by Otto Julius Bierbaum (1865–1910) · 1885 German

Die Luft ist wie voll Geigen,
Von allen Blütenzweigen
Das weiße Wunder schneit;
Der Frühling tobt im Blute,
Zu allem Uebermute
Ist jetzt die allerbeste Zeit.

Komm her und laß dich küssen!
Du wirst es dulden müssen,
Daß dich mein Arm umschlingt.
Es geht durch alles Leben
Ein Pochen und ein Beben:
Das rote Blut, es singt, es singt.

Aus: Otto Julius Bierbaum – Irrgarten der Liebe.
Verliebte launenhafte und moralische Lieder
Gedichte und Sprüche aus den Jahren 1885 bis 1900
Im Verlage der Insel bei Schuster und Loeffler Berlin und Leipzig 1901 (S. 51-52)

More poems by Otto Julius Bierbaum

  • Ketzerküsse

    Grün deine Federn am Hut, mein Kind,
    Blau deine Augen im Kopfe sind:
    Wie kannst du so was wagen!? …
  • "Frauenhaar"

    "Frauenhaar" trag ich am Hute,
    Wie Flachs so weich, wie Seide so fein,
    Flirrfädelnd spinnt's im Sonnenschein, …
  • Adoration

    Ich strecke meine Hände aus nach dir,
    Wie Beterhände sich zum Antlitz strecken
    Der gnadenreichen Mutter, die im Arm …
  • Alter Glückszettel

    Zwischen Hetzen und Hasten,
    In Lärmen und Lasten,
    Von Zeit zu Zeit …

All poems by Otto Julius Bierbaum →