Kapitalisten-Klage
[083] Kapitalisten-Klage Durch unsrer Börsenhallen Höh' und Weite Geht immerzu ein penetrant Gestänkchen; Bald macht ein Staatchen (überseeisch) Pleite, Bald purzelt ein Bankier, bald kracht ein Bänkchen.
Als seien sie auf Erz und Stein gegründet – Dann ein Geraun, ein spöttisches Gekicher, Und über Nacht wird der Konkurs verkündet! Man hat mit ihnen fast devot verhandelt,
Doch unser Gold und Silber sind verwandelt In einer Nacht in dürres Laub und Asche. Man hätte blindlings auf die Bank geschworen, Falls überhaupt so etwas nötig täte,
Konsuln, Geheime und Kommerzienräte! Man war gewohnt, vor ihnen sich zu ducken; Mehr als des Fürsten Wort in seinem Ländchen Galt schon ihr Nicken und ihr Achselzucken;
Wo sind sie hin? Begeben hat der eine Gesundheitshalber heimlich sich aufs Wandern; Das Konsulatsschild nimmt im Frührotscheine In aller Stille ab man bei dem andern;
Nicht länger Herr der wachsenden Bedrängnis, Per Droschke sich freiwillig eingefunden Beim Staatsanwalt - er sitze im Gefängnis. [084] O, es ist bös! Es schwinden die Gedanken,
Was steht noch fest, wenn solche Stützen wanken? Was soll der Mensch mit seinem Gelde machen? Man hat's nun doch! Ins Wasser muß die Ente, Droht auch mit Mutter Henne ein Zerwürfnis,
Ist für das Kapital – Naturbedürfnis. Die Industrie war stets von lockern Sitten, Und durch den Schornstein flogen die Millionen; So ist man denn zum Banklokal geschritten
Man möchte sich die Haare einzeln raufen, Denn eine Trübsal ist's, nicht auszusagen. Was fängt man an? Bei dem Papierekaufen Riskiert der Geldmann heute Kopf und Kragen.
Tagsüber krächzen uns ins Ohr die Raben – Unzweifelhaft ist's zu gewissen Zeiten Ein Kreuz und Leiden, sehr viel Geld zu haben!