Könnt' ich wie Alpen ragen

by Wilhelm Jensen (1837–1911) · 1869 German

Mit dir in's Lichtgezelt,
Gleich einer Wolke tragen
Dich ob der nied'ren Welt.
Könnt' ich auf Adlerschwingen
Dich heben, ruhevoll,
Bis unter dir verklingen
Sollt' jeder Erdengroll.

Nun mußt du durch die Gassen
Und durch den Menschenschwarm,
Ich kann dich nur umfassen
Mit schwachem Menschenarm.
Ich kann dich nur beschirmen
Mit Liebesglück und Schmerz
Und retten aus den Stürmen
Nur an mein eig'nes Herz.

O komm, mit ihm zu theilen
Und laß es nimmerdar,
O komm, an ihm zu weilen,
Wo deine Heimat war,
Eh' deine Stirn umfangen
Des Lebens erster Gram,
Eh' dir mit stummem Bangen
Die erste Sehnsucht kam. (S. 34-35)

More poems by Wilhelm Jensen

  • Das waren Tage gold'ner Wonne

    Das waren Tage gold'ner Wonne,
    Wie denk ich fern an sie zurück,
    Am blauen Himmel zog die Sonne, …
  • Die Sonne brennt, doch Herbsteshauch

    Die Sonne brennt, doch Herbsteshauch
    Streicht durch's Gezweig', das halbentlaubte,
    Und heimlich schweift mein Blick vorbei …
  • Marie

    Es dringt hieher kein trüber,
    Kein lauter Ton der Welt;
    Es ruht nur hoch darüber …
  • Mitunter ist es mir, als möchte

    Mitunter ist es mir, als möchte
    Ich einmal nur dich wiedersehn;
    Als möcht' ich einmal stillen Schrittes …

All poems by Wilhelm Jensen →