Im nächt’gen Traum hab’ ich mich selbst geschaut

by Heinrich Heine

     Im schwarzen Gallafrack und seidner Weste,      Manschetten an der Hand, als ging’s zum Feste,      Und vor mir stand mein Liebchen, süß und traut.

5
Ich beugte mich und fragte: „Sind Sie Braut?

     Ei! Ei! so gratulir’ ich, meine Beste!“      Doch fast die Kehle mir zusammenpreste      Der langgezog’ne, vornehm kalte Laut. Und bitt’re Thränen plötzlich sich ergossen

10
     Aus Liebchens Augen, und in Thränenwogen

     Ist mir das holde Bildniß fast zerflossen. O süße Augen, fromme Liebessterne,      Obschon ihr mir im Wachen oft gelogen,      Und auch im Traum, glaub’ ich euch dennoch gerne!

More poems by Heinrich Heine

All poems by Heinrich Heine →