Im Hurliberge

by Heinrich Kämpchen

[40] Im Hurliberge. (Eine Volkssage.) Der Hurliberg, der alte, Ragt weit ins Land hinein, Und wenn die Sonne strahlet, Umglüht ihn gold’ner Schein. [41]

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Dort wohnt die graue Sage

Und hält getreulich Hut Beim Schatze, der im Hurli Wer weiß wie lange ruht. Einst hat der Wichtelkönig

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Ihn tief darin versenkt,

Als er von bösen Menschen In seinem Recht gekränkt. Doch wer die Stund’ erpasset Und kennt das Zauberwort,

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Dem tut sich auf die Halle

Im grauen Felsen dort. Der sieht Geräte silbern Und gülden ohne Zahl, Und kann davon sich wählen

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Ganz frei nach eig’ner Wahl.

Ein Hirt’ vor vielen Jahren Erschaute diese Pracht, Doch in der Gier des Wählens Hat er der Zeit nicht acht.

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Die Stunde ist verronnen,

Zu spät gemahnt’s ihn dran – Umsonst sein Fleh’n und Pochen, Ihn hält der Zauberbann. Er muß im Berg verharren,

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So lautet das Gebot,

Bis ihn ein and’rer wieder Befreit aus seiner Not. Und wer in stillen Nächten Am Hurliberge geht,

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Hört oft ein fernes Tönen,

Wie halb vom Wind verweht. Es klingt wie dumpfes Klagen Aus tiefer Bergeskluft – Das ist der arme Hirte,

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Der nach Erlösung ruft.

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