Ich bin's gewohnt den Kopf recht hoch zu tragen
Ich bin’s gewohnt den Kopf recht hoch zu tragen, Mein Sinn ist auch ein bischen starr und zähe; Wenn selbst der König mir in’s Antlitz sähe, Ich würde nicht die Augen niederschlagen.
5
Doch, liebe Mutter, offen will ich’s sagen:
Wie mächtig auch mein stolzer Muth sich blähe, In deiner selig süßen, trauten Nähe Ergreift mich oft ein demuthvolles Zagen. Ist es dein Geist, der heimlich mich bezwinget,
10
Dein hoher Geist, der Alles kühn durchdringet,
Und blitzend sich zum Himmelslichte schwinget? Quält mich Erinnerung, daß ich verübet So manche That, die dir das Herz betrübet, Das schöne Herz, das mich so sehr geliebet?