Holzhackers Werbung

by Heinrich Kämpchen

[138] Holzhackers Werbung. Wie oft unter deinem Fenster Hab’ durchweint ich die ganze Nacht, Indes du im Daunenbett träumtest Von deiner Geschmeide Pracht. – [139]

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Nicht länger will ich noch weinen,

Die Tränen sind nutzlose Saat, Was Worte und Tränen nicht können, Das erzwinget die trotzige Tat. – Du bist eines Grafen Tochter,

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Ich bin ein Holzhackerssohn,

Ich führe die Axt im Wappen, Du trägst eine güldene Kron’. – Ich fälle im Walde die Bäume, Du lockst die Ritter und Herrn,

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Ich bin ein winziges Lichtchen,

Du bist ein prächtiger Stern. – Und ob es auch klinget wie Hohne, Dich lieb’ ich allein auf der Welt, Dem Sohn aus des Holzhackers Hütte

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Die Tochter des Grafen gefällt. –

Du schaust auf mich mit dem Blicke, So wie der Herr auf den Knecht, Der, statt ihm den Bügel zu halten, Sich selbst setzt im Sattel zurecht. –

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Ich vertreib’ dir die stolzen Blicke,

Ja, schau’ mich nur recht an mit Hohn – Eh’ sich der Mond wieder wechselt, Trag’ ich deine güldene Kron’. – Eh’ sich der Mond wieder wechselt,

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Bist du des Holzhackers Weib,

Dann leg’ ich die markigen Arme Um deinen hochgräflichen Leib. – Und willst du nicht willig dich geben, Und folgst du nicht willig zum Wald,

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So schlag’ ich dich doch noch danieder,

Trotz meiner Liebe Gewalt. – Dann mögen die Herren mich richten Da droben im gräflichen Saal, Dann mag der Henker mich treffen,

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So wie ich dich traf mit dem Stahl. –

[140] Wir führen dann beide zusammen Ein Wappen mit blutiger Kron’, Mit Axt und Richtschwert darinnen, So liebt es der Holzhackerssohn. –

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