Hochflut

by Heinrich Kämpchen

[19] Hochflut. Kennt ihr die Ruhr, die wilde Ruhr? – Nicht wie sie gleitet durch die Flur Im Maienglanz als holde Fei – Nein, sah’t ihr sie in Raserei,

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Gepeitschet von des Sturmes Ruten,

Wild über ihre Ufer fluten, Schaumkronen auf den Wogenkämmen? – Dann kann nicht Menschenwerk sie hemmen, Kein Wall sich ihr entgegen stemmen –

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Frei, fessellos rast sie einher

Von Berg zu Berg – ein tobend Meer. – Das ist die Ruhr, die wilde Ruhr! Wie einst sie uns’re Heimatflur, Vorbei an Odins Hochaltar *),

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Mit Macht durchbraust hat immerdar. –

Da hausten noch in diesen Gauen Die Brukterer, die starken rauhen Altvorderen mit ihrer Sippe – Da bleichte noch des Feind’s Gerippe

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Am Opferstein auf diesen Höh’n. –

Ja, habt ihr so den Fluß geseh’n, Entledigt jeder Fesselspur, In seiner ganzen Kraftnatur – Das ist die schöne wilde Ruhr. –

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