Herzklopfen

by Karoline von Fidler (1801–1874) · 1844 German

Was klopft an die Brust?
Ist's etwa die Lust?
Herein, nur herein!
Doch kann's ja nicht sein -
Längst wohnte sie dort
Am heimlichen Ort.

Was klopft an dem Herzen?
Sind's etwa die Schmerzen?
Ach nein, ach nein!
Die können's nicht sein -
Sie schlichen bei Nacht
Herein unbewacht.

Die Liebe ist's nimmer!
Ihr glühender Schimmer
Zog siegend herein
Wie Morgenroths Schein,
Der Schlüssel ein Kuß,
Ein seliges Muß!

Die bangende Noth -
Ist's etwa der Tod?
Ach nein, ach nein!
Der wird es nicht sein -
Jung ist noch das Glück,
Noch flammet der Blick!

Da blitzt es empor!
Wohl war ich ein Thor -
Es klopft ja drinn
Im stillen Haus,
Es ist ein Lied,
Das will hinaus! (S. 32-33)
_____

More poems by Karoline von Fidler

  • An Ferdinand

    Und hätt' ich auch zum Letztenmal
    Auf dieser Welt gesungen,
    Wär' mit des Abends letztem Strahl …
  • Das Vöglein

    Ein Vöglein im Kerker -
    Sein Jubel erklang,
    Wenn draußen verstummet …
  • Gebete

    1.
    Herr, du kennest meine Sorgen,
    Meine Wünsche kennest du, …
  • Gefühl

    Ein Menschenherz - was hat's zu tragen,
    Was hat's zu leiden, weil es lebt!
    Kann's einen Tag wohl ruhig schlagen, …

All poems by Karoline von Fidler →