Herbstgesang

by Charles Baudelaire

1

Bald wird man uns ins kalte dunkel flössen · Fort! schöner sommer der so kurz nur währt! Schon hör ich wie mit unheilvollen stössen Das holz erdröhnend auf das pflaster fährt.

5
Der ganze winter dringt in mich: bedrängnis

Hass zorn und schauder und erzwungner fleiss. Der sonne gleicht im nordischen gefängnis Mein herz · ein roter block und starr wie eis. Ich höre zitternd jeden ast der schüttelt –

10
Ein grabgerüst giebt keinen dumpfern hall –

Und an dem turme meines geistes rüttelt Des unermüdlich harten widders prall. [77] Es scheint mir von dem hohlen lärm umgeben Dass man in einen sarg die nägel haut ...

15
Für wen? gestern war sommer · herbst ist eben ·

Wie abschied klingt der rätselhafte laut.

2

Ich liebe deiner augen grünen schimmer · Du sanfte · doch nur bittres fühl ich heut · Nicht deine liebe nicht kamin und zimmer

20
Ersezt das sonnenlicht aufs meer verstreut.

Und dennoch · zarte seele · lieb und hüte Auch den der undankbar mit bösem drang · Geliebte · schwester! sei die flüchtge güte Von herbstesglanz und sonnenuntergang!

25
Ein kurzes werk ... das grab ist gierig lauernd.

Ach ich will knieend dir zu füssen sein · Des weissen dürren sommers flucht bedauernd Mich freun am gelben milden spätjahrschein.

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