Herbst-Sonett

by Charles Baudelaire German

Dein auge klar kristallen birgt die frage: Weshalb · seltsamer freund · bin ich dir lieb? Sei schön und schweig! in meinem gram ertrage Ich nur des tieres unumhüllten trieb.

5
Die du in lange schlummer senkst · ich sage

Vom höllischen geheimnis nichts das blieb · Von unheilsworten die die flamme schrieb: Gift ist mir leidenschaft und geist mir plage. Liebe mich sanft! aus dunklem heiligtume

10
Spannt Amor listig des verderbens stahl ·

Ich kenne seiner marterkammern qual: Schreck wahn und schmach ... o bleiche wiesenblume! Bist du wie ich nicht auch ein herbstes-strahl · O meine weisse meine kalte Blume?

More poems by Charles Baudelaire

All poems by Charles Baudelaire →