Harzreise im Winter
Dem Geyer gleich, Der auf schweren Morgenwolken Mit sanftem Fittich ruhend Nach Beute schaut,
Denn ein Gott hat Jedem seine Bahn Vorgezeichnet, Die der Glückliche
Ziele rennt: Wem aber Unglück Das Herz zusammenzog, Er sträubt vergebens
[194] Des ehernen Fadens, Den die doch bittre Schere Nur Einmal lös’t. In Dickichts-Schauer
Und mit den Sperlingen Haben längst die Reichen In ihre Sümpfe sich gesenkt. Leicht ist’s folgen dem Wagen,
Wie der gemächliche Troß Auf gebesserten Wegen Hinter des Fürsten Einzug. Aber abseits, wer ist’s?
Hinter ihm schlagen Die Sträuche zusammen, Das Gras steht wieder auf, Die Öde verschlingt ihn. [195]
Deß, dem Balsam zu Gift ward? Der sich Menschenhaß Aus der Fülle der Liebe trank! Erst verachtet, nun ein Verächter,
Seinen eignen Werth In ung’nügender Selbstsucht. Ist auf deinem Psalter, Vater der Lieb, ein Ton
So erquicke sein Herz! Öffne den umwölkten Blick Über die tausend Quellen Neben dem Durstenden
Der du der Freuden viel schaffst, Jedem ein überfließend Maß, Segne die Brüder der Jagd Auf der Fährte des Wilds,
[196]Fröhlicher Mordsucht, Späte Rächer des Unbilds, Dem schon Jahre vergeblich Wehrt mit Knütteln der Bauer.
In deine Goldwolken, Umgib mit Wintergrün, Bis die Rose wieder heranreift, Die feuchten Haare,
Mit der dämmernden Fackel Leuchtest du ihm Durch die Furten bey Nacht, Über grundlose Wege
Mit dem tausendfarbigen Morgen Lachst du in’s Herz ihm; Mit dem beißenden Sturm Trägst du ihn hoch empor;
[197]In seine Psalmen, Und Altar des lieblichsten Danks Wird ihm des gefürchteten Gipfels Schneebehangner Scheitel,
Kränzten ahnende Völker. Du stehst mit unerforschtem Busen Geheimnißvoll offenbar Über der erstaunten Welt,
Auf ihre Reiche und Herrlichkeit, Die du aus den Adern deiner Brüder Neben dir wässerst.