Gespenster

by Conrad Ferdinand Meyer

[99] Gespenster. Am Horizonte glomm des Abends Feuer; Ich stieg, indeß die Purpurglut verblich, Zum Römerthurm empor und lehnte mich Randüber auf das dunkelnde Gemäuer –

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Und sah, wie sich am Hange scheu und scheuer

Die Beerenleserin vorüberschlich. Das arme Weibchen drückt’ und duckte sich, Und schlug ein Kreuz: ihr war es nicht geheuer .... Mich flog ein Lächeln an. Im Eppich[1] neben

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Der Brüstung flüstert’s: „Freund, in deinem Leben

Ist auch ein Ort, wo die Gespenster schweben! Führt dich Erinn’rung dem zerstörten Ort Vorbei, du huschest noch geschwinder fort, Als das von Graun gepackte Weibchen dort.“

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