Gern will ich in deinem schwarzen Haar

by Emil Prinz Schönaich-Carolath (1852–1908) · 1878 German

Verbergen die blasse Wange,
Gern will deine Augen perlenklar
Ich küssen glühend und lange;

Will küssen dich wild und inbrünstiglich
Bei Nacht und am hellen Tage -
Allein das Wörtchen "ich liebe dich"
Verlange nicht, daß ich's sage!

Wohl seh' ich, daß deine Wange glüht,
Daß deine Stirn sich umdunkelt,
Daß Hohn deinen rothen Mund verzieht,
Und trotzig dein Auge funkelt -

Doch ehe ich spräche dieß eine Wort,
Würd' ich dich tausendmal lassen
Und würde geduldig tragen hinfort
Dein bitterstes, tiefstes Hassen.

Ich will dich küssen inbrünstiglich
Bei Nacht und am hellen Tage -
Allein das Wörtchen "ich liebe dich"
Verlange nicht, daß ich's sage.

Aus: Lieder an eine Verlorene
von Prinz Emil von Schönaich-Carolath
Stuttgart Leipzig Eduard Hallberger 1878 (S. 27-28)

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