Geheimniss

by Carl Ferdinand Dräxler-Manfred

Du wunderholde Frau, Die mich so ganz begeistert, Daß mich, wenn ich dich schau, Entzücken übermeistert: Vernimm die süßen Töne Die dir zum Preis, o Schöne, Voll Sehnsucht und voll Lust Entströmen meiner Brust. Du weißt es, was mein Blick, Dir feuertrunken sagte, Wenn ich zu dir, mein Glück, Ihn aufzuschlagen wagte, Du kennst, unausgesprochen, Des Herzens stilles Pochen, Darin als schönstes Gut Dein liebes Bildniß ruht. Du weißt, ob auch kein Wort Zu dir um Liebe flehte, Daß du mein Gnadenhort, Den ich geheim anbete, Daß du mir Schwung und Flügel, Befriedigung und Zügel, Daß du zu jeder Frist Mein Ideal mir bist. So wie die Luft den Strauch, Der Wind die Welle reget, So ists dein Zauberhauch, Der mich zu tiefst beweget; Mein Singen und mein Schweigen, Dein Abglanz ists und Eigen, Das schwärmend dein begehrt Und stummberedt dich ehrt. Geheimniß und Contrast, Gesucht und doch gemieden, Mit aller Glut umfaßt Und niemals doch beschieden: Wie soll das Räthsel enden? O hilf, in deinen Händen Ist Liebe, Glück und Ruh: Mein Herz lauscht - winke du! aus: Freud' und Leid Lieder und Bilder von C. Dräxler-Manfred Hannover Carl Rümpler 1858 (S. 75-76)

More poems by Carl Ferdinand Dräxler-Manfred

All poems by Carl Ferdinand Dräxler-Manfred →