Gebet eines Irländers.

by Georg Weerth

[371] Gebet eines Irländers. Sankt Patrick, großer Schutzpatron, Du sitzest auf dem warmen Himmelsthron; O sieh mich an mit freundlichem Sinn, Dieweil ich ein armer Paddy bin.

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Sankt Patrick, sieh, die Nacht kommt bald,

Von England weht es herüber so kalt. O blicke auf meinen schäbigen Frack Und auf meinen löchrigen Bettelsack. Sankt Patrick, thu’, was dir gefällt,

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So groß und so schön ist ja alle Welt;

O laß mich werden, was du willt – Nur bleiben nicht solch’ ein Menschenbild. O laß mich werden ein Blümlein blau, Dann mag ich trinken den kühlen Thau.

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O laß mich werden ein braunes Reh,

Dann kann ich fressen den grünen Klee. O laß mich werden ein stolzer Bär, Dann geh’ ich im warmen Rock daher. O laß mich werden ein schöner Schwan,

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Dann wohn’ ich auf Strom und Ocean.

O mach’ aus mir einen Panther wild! Einen Leu! daß hoch meine Mähne schwillt. Einen Tiger! auf daß ich manch reichen Tyrann Mit rasselnden Tatzen zerreißen kann! –

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[372] Doch, Patrick, ach! taub bleibt dein Ohr;

Der Paddy bleib’ ich wohl nach wie vor. ’s bleibt Alles wie sonst und die Nacht ist kalt, Und der Dan O’Connell*) wird dick und alt.

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