Das ist das Haus am schwarzen Moor.

by Georg Weerth

[84] 3. „Das ist das Haus am schwarzen Moor.“ Das ist das Haus am schwarzen Moor, Wer dort im letzten Winter fror, Der friert dort nicht in diesem Jahr – Er sank schon längst auf die Totenbahr’.

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Das ist das Haus am schwarzen Moor,

Das Haus, wo der alte Jan erfror. Zur Thür gewandt das weiße Gesicht, Starb er und wußt’ es selber nicht. Er starb. – Da kam, wie ein scheues Reh,

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Der Tag und hüpfte über den Schnee.

„Guten Morgen Jan! Guten Morgen Jan!“ – Der Jan keine Antwort geben kann. Da erhuben die Glocken ihr hell Geläut; Sie sangen und klangen und riefen so weit:

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„Guten Morgen Jan! Guten Morgen Jan!“ –

Der Jan keine Antwort geben kann. Da kamen die Kinder aus der Stadt: „Wir wissen, wie lieb er uns alle hat; „Guten Morgen Jan! Guten Morgen Jan!“ –

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Der Jan keine Antwort geben kann.

Tag, Glocken und Kinder er nicht verstund. Da nahte die sonnige Mittagstund’, Da nahte ein armes Weib: „Mein Jan, „Willst essen und trinken nicht, alter Mann?“

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[85] „Sieh, was ich brachte Dir aus der Stadt;

„Sollst froh nun werden und warm und satt!“ – Die Alte sah lange auf ihren Jan, Da fing sie bitter zu weinen an. Da weinte sie an dem schwarzen Moor,

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Am Moor, wo der alte Jan erfror;

Da weinte sie ihr brennend Weh Hinunter in den kalten Schnee.

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