Fragen an Sie

by Adolf von Tschabuschnigg (1809–1877) · 1833 German

Denkst du noch mein im süßen Blüthenschatten,
Denkst du noch mein im kühlen Mondenstrahl'?
Und wallst noch oft durch die bekannten Matten
Zum stillen Quell' hinab in's liebe Thal?

Weilst du noch gerne dort im Blätterdache,
Und weh'n die Erlen noch so ahnungvoll?
Blüh'n die Vergißmeinnichte noch am Bache,
Wo wir geweint das lezte Lebewohl?

Gehst wohl noch oft in traute Waldesfülle
Und wekst den vollen, weichen Lautenklang?
Singst noch die Lieder in der tiefen Stille,
Die Lieder, die dein Freund dir liebend sang?

Trägst du noch ganz die alte Lieb' im Herzen,
Ist deine Lieb', dein Herz noch, wie es war?
Hast du sie nie entweih't durch eitles Scherzen,
Und bist die Meine wohl noch ganz und gar?

Schmükt sie dich noch die schöne Lokenfülle,
Und hast kein Lökchen tändelnd weggeschenkt?
Bist wohl die Alte noch, so fromm und stille,
Die liebend noch des wilden Flüchtlings denkt?

Und hast die blasse Schleife oft genommen,
Die liebe Schleife, die einst ich dir gab? -
Wirst froh an's Herz mir sinken, - werd' ich kommen,
Und führst mich dann, wie einst mein Wanderstab? - (S. 113-114)
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