Frage

by Gerrit Engelke (1890–1918) · 1921 German

Nun Du!
Du neuer Blick und Atem gegenüber, -
Dir zwing ich meine Lippen, weil ich muß
Und sage:
Sieh mich an!
Gesicht laß ruhen in Gesicht,
Es geht nicht anders mehr.

Wo ist denn Schuld,
Daß Stirne nun an Stirne stößt,
Das Herz, das sonst in Einsamkeit hinfror,
In taubem Kummer sich verlor,
Im Drang die schwere Zunge löst,
Ergriffen stürzt:
Du Weib!

Schließ auf, schließ auf
Den engen Ring, der meine Brust umpreßt!
Der mich nicht atmen läßt,
Der mich zum qualgepflügten Boden niederwarf,
So oft ich meine Stirn erhob -
Du hast die Macht.

Du brauchst nur mit deinem Finger
An mein Herz zu rühren,
Damit es wieder sehend würde:
Und alle Türen, Horizonte, alle Himmel
Sprängen offen mir entgegen:
Ich schritte mächtig aus auf brausenden Wegen,
Bestürmt und durchschwellt,
Zu neuem Lebensland!
Zu deinem Herzen in der Welt!

Verbirgst du deine Hand? (S. 113)
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