Erwachen
Noch einmal ließ der Winter wehn Im finstren Trotze seine Fahnen; Er hieß die Bäche stille stehn Und wehte Straßen zu und Bahnen.
In einer Nacht mit Schneeslasten, Begrub im Wald das Försterhaus Und knickte schlanke Schiffesmasten. In voller finstrer Größe stand
Und winkte mit der weißen Hand Das Schneegewölk herauf von Osten. Er lachte in der Stürme Schlacht, In des Gestöbers graue Wirren,
Die helle Eisesrüstung klirren. Er schlug ans Schwert die Eisenfaust, Als werde Herr der Macht er bleiben – Doch wir, gehudelt und gezaust,
Es ließ sich Niemand bange machen; Wir wußten, vor der Thüre stand Des Lenzes lächelndes Erwachen.
Gepflanzt des Winters Banner stehen – Wir grüßen doppelt freudig nur Des lauen Thauwinds rastlos Wehen, Die Knospe, die verstohlen springt
Die Drossel, die mit Locken singt Im Abendlicht nach sanftem Regen. Es schwillt das wintermüde Herz Dem Lenz, der es erlöst, entgegen,
Der tiefsten Wunde still er legen – Und schreckt in Träumen, die dem Schooß Des finstren Tartarus entstammen, Und schreckt vor Fragen riesengroß
Sobald zum blauen Himmelszelt Empor die ersten Lerchen schwirren, Geht scharf und deutlich durch die Welt Ein unheilvolles Waffenklirren,
Des Pirols und des Finken Schlagen, Wenn weiß es von den Zweigen stäubt Nach kurzen, warmen Blüthetagen.
Da bebt der Grund in Ost und West Von der Kanonenräder Rollen, Da thürmt sich auf in fahlem Schein, Verderben kündend jedem Volke
des Krieges finstre Wetterwolke. Die Völker könnten reich und stark In Eintracht beieinander wohnen; Doch diese Angst, sie saugt am Mark
Wie lange wird der Menschheit Strom In viele Bäche man zersplittern? Wie lange noch wird dies Phantom Das Frühlingshoffen uns verbittern?