Erinnerung

by Kurt Tucholsky (1890–1935) · 1920 German

Wie tanzt durch meine Träume Josephine!
Das gute Kind! wie war sie dick und rund!
In luftiger Seide und sonst sine-sine,
so satt, so frisch und so gesund!

Sie neigt sich und sie spricht: "Weißt du noch, Junge?
Die Havel blitzt, es rauscht der Wind im Schilf,
es gibt Tomaten, Eier, Pökelzunge,
du stopfst, bis du nur hauchst: Luft, Samiel, hilf!

Und dann das Band und dann ein Schlaf im Freien!
und immer dieses helle, weiße Licht!
Ich glaub, du, das war Sünde mit uns zweien -
wir liebten uns, und das, das darf man nicht!"

Sprachs und verschwand. Durch graue Gaseschleier
der Zigarette schau ich in die Luft -
Ja damals! Damals gabs noch Spiegeleier
und Butter und den warmen Bratenduft ...

Dahin, dahin. Ich seh auf den Kalender:
Eins, neun, eins, acht! wir haben unser Heer,
wir haben Belgien und Serbien als Pfänder -
doch das ist weg ... und kommt nicht mehr. (S. 118-119)
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