Er preiset das Schwarze
[44] XVI. Er preiset das Schwarze. Wan ich besingen sol / was mir ergezung bringt / So ist es Schwarz und Braun / dem dises Lied erklingt. Erlaubt mir / daß ich mich ein wenig lustig mach’: Ein jeder preiset gern’ ein’ angeneme Sach’.
Ein schwarzes Erdreich ist mehr wert dan rohtes Gold / Es bringet korn und wein: Gold dienet nur zur pracht / Durch seinen stolzen glanz wird niemand satt gemacht. Schwarz ziert des Menschen leib / ein schwarzes Augenpaar
Helena war ja auch mit solchen ausgeziert; Sonst hätte Paris sie gewißlich nicht entführt. [45] Wol mir / und mehr als wol / daß auch mein liebstes Kind Sich in der schönen zahl des braunen Volks befindt!
Daß mir die Liebe stets das herz erwärmen kan. Schwarz ist durchgehends schön’: ein sauber schwarzes Kleid Ziert beides Mann und Weib / und führet freüd’ und leid: Was kan auch schöner sein / dan ein kohlschwarzes Pferd /
Die schwarzen Kirschen seind bei ärzten hochgeacht / Ihr wasser hat die red’ halb todten wiederbracht: Schwarzbraune Negelein[1] die riechen herrlich wol / Ach hätt’ ich ihrer nur den ganzen garten voll.
Drum liebt ihn Bacchus sehr samt seiner bruderschaft / Mars ist den schwarzen auch mit hulden zugetahn / Dieweil das pulver schwarz / so er nicht missen kan. [46] Auch Phebus[2] liebt das schwarz’ / und braucht es immerzu /
Ihr andre Farben ihr / roht / grühn / gelb / blau / und weiß / Weicht etwas hinder sich / dan schwarz behelt den preis. Ach schwarz / du edles schwarz / du immer schöne zier / Mein herze hat allein zu dir lust und begier:
So lange nur mein leib dem leben wohnung giebt. Der Tod hat endlich nichts an dieser liebesbrunst / Dan wer mich überlebt / der tuht mir noch die gunst / Und scharret meinen leib in schwarze erden ein /