Epistel an Madame Unger in Berlin

Wohl Dir! mir ewig werthes Weib!
Geneuß den holden Seelenfrieden,
Bey dem, was dir das Glück beschieden:
Er würzet jeden Zeitvertreib;
Erhöhet den Genuß, geust Balsam in die Wunde,
Die uns in einer bösen Stunde,
Die Göttinn des Geschicks voll schwarzer Laune schlug.
Mich leider! will sie nicht mehr hören:
Bald findt sich dies, bald das, um meine Ruh zu stören,
Und nie spricht sie: Es ist genug. –

1802

More from Poet

Stella an den Geliebten.

Könnt’ ich dein Herz für mich allein gewinnen,
Ich tauschte nicht mit großen Königinnen;
Ich würd’ entzückt den Rest von meinem Leben
Für deine Küße geben.

O! fühltest du der Seele banges Schmachten,
Du würdest mehr...

Sonst weckte freundlich mich aus sanftem Schlummer
Dein süßer Kuß, zwar nur im Traum geküst;
Und frey von jedem Seelenkummer
Ward jeder junge Tag begrüst.
Jetzt, Selmar, flieht der Gott, den Mohn umkränzet,
Das Lager, wo mein Auge schlaflos weint,
...

Selbstunterhaltung, in der Mitternachtstunde.

„– Ο süsse Gesellschaft! Ο große und hohe Ge-
sellschaft! unsre Vernunft, unser Schutz-
engel, und unser Gott! dann sind uns
diese am nächsten, wenn Andre am weitesten
von uns...

Wer schildert sie des Herzens reine Wonne
Die mich durchbebt, wann endlich sich die Sonne
In Dunkel hüllt, und mir der Stern erscheinet,
Der uns vereinet.

Dann fliehen sie, die lang’ ersehnten Stunden,
Bey dir dahin, als wären sie Sekunden,
Ich spähe...

Kaum hatte, von Minerven zum Olymp getragen,
Prométheûs Feuer von dem Sonnenwagen
Den Sterblichen gebracht, als oft aus Unverstand,
Trotz seiner Warnung, Knab’ und Mädchen sich die Hand
Verbrannten. Himmel! welche Klagen
Erhuben hier die Mütter! Haben wir der...