Einsamkeiten
[17] Einsamkeiten. Nun still, mein Schritt, im stillen Nebelfeld; hier rührt kein Leben mehr an meine Ruhe, hier darf ich fühlen, daß ich einsam bin. Kein Laut; kein Hauch; der bleiche Abend hält
So thut es wohl dem unbewegten Sinn. Mein Herz nur hör’ich noch; doch kein Verlangen nach Leben ist dies Klopfen. Lust und Schmerz ruhn hinter mir versunken – gleich zwei Stürmen,
was störst du mich, mein allzu lautes Herz! Sie haben Alle nie wie du gefühlt, wie Du allein; nicht Freund, nicht Weib noch Kind; sie sind auch einsam. Sieh, dort drüben
ein Bahnlicht – sieh: so glimmst auch du im Trüben. Hinaus, hinaus, wo keine Menschen sind! Was wollt ihr noch? Weiter! auf jenen Hügel, der grau zu Dunkel schwillt; Gesichter, weicht!
Und aus dem bleichen Feld tauchen die Sträucher und sehen zu – der Hügel raucht: wie feucht von Schweiß sich starr und breit der Dunstalb an die Brust der Erde saugt.
Sie folgen mir. Oh Qual der Einsamkeit. [18] Am Bahndamm niederzittr’ich in den Sand, die glühende Stirne auf die nasse Schiene: o käme jetzt das Eisenrad gerannt!
die Hände pressen wild den harten Reifen – ich kann nicht mehr! Da – – horch: sei stark: Gellend am Horizont ein hohles Pfeifen, zwei Augen quellen stechend aus der matten
was dunkelt dort der Erlenbusch? Er löst sich, kommt; es reißt mich hoch, er ist schon nah, ich will’s begreifen, es nimmt Gestalt an, – Wahnsinn? Da:
mein wühlender Blick wird still und weit: Jubel – stumm schüttelt mich ein Schrei: Jubel, ein Mensch! – Oh Herz – o Einsamkeit – und knatternd stampft der Dampfzug mir vorbei.