Einer Madonne
Madonna · meine gebieterin · dir will ich bauen Verborgenen altar aus meiner nöten tiefe Und in meines herzens finsterstem winkel graben Weit von der weltlichen lust und dem spöttischen blick
Wo du dich · verwundertes standbild · erheben sollst. Aus meiner geglätteten verse reinem metall Verständnisvoll übersät mit kristallenen reimen Will ich für dein haupt eine mächtige krone bereiten.
Will ich einen mantel dir schneiden barbarischer art Schwer und starr und ausgefüttert mit argwohn Und der wie ein schützendes zelt deine reize umschliesst Mit perlen nicht sondern mit all meinen thränen bestickt.
Und wogt · mein verlangen das steigt und sich senkt · Auf höhen sich schaukelt und in den thälern sich ausruht · Mit küssen den weissen und rosigen leib dir umhüllt. Mit meiner verehrung bereit ich dir schöne schuhe
Die ihn umschliessend in einer weichen umschlingung Wie eine getreue form dem eindruck sich schmiegen. Wenn ich es nicht trotz meiner emsigen künste vermag Als schemel dir einen silbernen mond zu schneiden
(Dies ungeheuer mit hass und geifer geschwollen) Dir unter die füsse damit du es trittst und verhöhnst · O siegreiche königin und an erlösungen grosse! Dann siehst du meine gedanken · geordnet wie kerzen
Mit widerscheinen die blaue decke bestirnend Und immerfort dich mit feurigen augen betrachtend · Und weil dich alles in mir bewundert und liebt [80] Wird alles zu benzoë weihrauch oliban mirre
Erhebt sich in dämpfen zu dir mein stürmischer geist. Zum schluss · um ganz dich zu einer maria zu machen Und um mit der liebe die grausamkeit zu vermischen – O schwarze lust! aus den sieben entsetzlichsten sünden
Wolgeschliffene · und wie ein gefühlloser gaukler Erwähl ich mir deiner liebe Tiefstes als scheibe: Ich pflanze sie alle in dein zuckendes herz In dein schluchzendes herz in dein rieselndes herz.