Ein- und dreijährig
(1890.) Daß in zwei Jahren der Soldat Das lernt, was ihm zu lernen nöthig, Ist selbst der Generale Rath Uns einzuräumen halb erbötig,
Doch sagen sie mit strenger Miene: „Es fordern Disziplin und Zucht, Daß jeder Bengel drei Jahr’ diene.“ Zwei Jahre also braucht der Mann,
Im dritten Jahr erlernt er dann Die Zucht, die Ordnung, das Gehorchen, Die aber sind des Pudels Kern, Denn, wie Caprivi[1] sie uns schildert,
Auf schauerliche Art verwildert. Schon in der Schule, aufgehetzt von schändlich list’gen Demokraten, Ist man mit zwanzig Jahren jetzt
Um das Gefühl für Zucht und Pflicht Per Korporal an ihm zu wecken, Muß man den zügellosen Wicht Drei Jahre in die Jacke stecken.
Mit ernsten, sorgenvollen Mienen, Doch hat kein Wörtchen er gesagt Von denen, die ein Jahr nur dienen. Wann ernten sie die edle Frucht?
Wie, wären Disziplin und Zucht Bei ihnen etwa angeboren?
In dieser Jugend niemals rühren
In bunten Achselklappen-Schnüren? Hier hat das Wort die Polizei! Wenn sie nur will, wird sie gestehen, Mit dieser deutschen Jugend sei
Hier freilich heißt es stets: „Was thut’s? Es gährt der Most sich klar zur Tugend. Das Vorrecht „heitren Uebermuths“ Gewähren wir der goldnen Jugend.“
Wofür man drei Jahr’ Stechschritt wandelt; Hier, bei dem feinen „höhern Sohn,“ Wird es als „witz’ger Ulk“ behandelt. Und da man nicht vergleichen darf,
Muß der Plebejer[2] schneidig-scharf Drei Jahre lang erzogen werden; Doch wer die Schnüre sich ersaß, Der braucht nicht Fuchtel noch Kandare,
Den ganzen Kram in einem Jahre.