Ein- und dreijährig

by Rudolf Lavant

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Ein- und dreijährig.

(1890.) Daß in zwei Jahren der Soldat Das lernt, was ihm zu lernen nöthig, Ist selbst der Generale Rath Uns einzuräumen halb erbötig,

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Sie fühlen wohl der Wahrheit Wucht,

Doch sagen sie mit strenger Miene: „Es fordern Disziplin und Zucht, Daß jeder Bengel drei Jahr’ diene.“ Zwei Jahre also braucht der Mann,

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Um den Paradeschritt zu storchen;

Im dritten Jahr erlernt er dann Die Zucht, die Ordnung, das Gehorchen, Die aber sind des Pudels Kern, Denn, wie Caprivi[1] sie uns schildert,

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Sind diese zwanzigjähr’gen Herrn

Auf schauerliche Art verwildert. Schon in der Schule, aufgehetzt von schändlich list’gen Demokraten, Ist man mit zwanzig Jahren jetzt

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Ein ausgemachter Teufelsbraten.

Um das Gefühl für Zucht und Pflicht Per Korporal an ihm zu wecken, Muß man den zügellosen Wicht Drei Jahre in die Jacke stecken.

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So hat der Kanzler uns geklagt

Mit ernsten, sorgenvollen Mienen, Doch hat kein Wörtchen er gesagt Von denen, die ein Jahr nur dienen. Wann ernten sie die edle Frucht?

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Sobald ihr Haupthaar kurz geschoren?

Wie, wären Disziplin und Zucht Bei ihnen etwa angeboren?

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Soll sich des Ungehorsams Sucht

In dieser Jugend niemals rühren

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Und sitzen Disziplin und Zucht

In bunten Achselklappen-Schnüren? Hier hat das Wort die Polizei! Wenn sie nur will, wird sie gestehen, Mit dieser deutschen Jugend sei

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Besonders schwierig umzugehen.

Hier freilich heißt es stets: „Was thut’s? Es gährt der Most sich klar zur Tugend. Das Vorrecht „heitren Uebermuths“ Gewähren wir der goldnen Jugend.“

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Dort ist es „Geist der Rebellion,“

Wofür man drei Jahr’ Stechschritt wandelt; Hier, bei dem feinen „höhern Sohn,“ Wird es als „witz’ger Ulk“ behandelt. Und da man nicht vergleichen darf,

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Was ewig ungleich ist auf Erden,

Muß der Plebejer[2] schneidig-scharf Drei Jahre lang erzogen werden; Doch wer die Schnüre sich ersaß, Der braucht nicht Fuchtel noch Kandare,

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Der lernt – und noch dazu mit Spaß –

Den ganzen Kram in einem Jahre.

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