Ein neues altes Lied
Vertrau nicht fürder mehr,
Und liebst du noch so sehr!
Liebt Jeder sich allein,
Und lacht des Andern Pein,
5
Wer lebt in Leid und Schmerz,
Der findt kein treues Herz. Vertrau nicht fürder mehr, Denn Untreu kränket sehr! Viel besser Einsamkeit,
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Als falsche Freundlichkeit;
Kannst du mit Gott nur seyn, So bist du nicht allein. Geh hin zum Anger grün, Und sieh die Berge blühn,
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Natur ist immer da,
Mit Mutterliebe nah, Komm, trink an ihrer Brust Vergessenheit und Lust! Gesundheit, Kraft und Muth
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Quillt aus der Lüfte Flut,
Bei muntrer Vögel Sang Wird’s Einem nimmer bang, In Waldeseinsamkeit Vergißt sich manches Leid! Helmina von Chézy.