An Dulkamaren
WIe kan ich ohne Haß/ dich/ Dulkamara/ lieben/
du bitter-süße du? Bald bist du gar zu gut.
Bald/ wenn ein schlechter Wahn ersteiget deinen Muth/
So steht mein naher Todt umm deiner Stirn geschrieben.
So lange hast du nun diß Spiel mit mir getrieben.
Sag'/ ob dir meine Pein denn also sanffte thut?
Ob dich mein frohseyn schmerzt; so weiß ich/ theures Blut/
daß ich bey Lust und Noth die Masse mehr muß üben.
Wer' ich/ wie du gesinnt; so könt' auch ich/ wie du/
bey gleichem Muthe seyn inzwischen Müh' und Ruh/
inzwischen Leid' und Lust bey einem Hertzen stehen.
So/ weil ich standhafft bin/ weichst du ohn unterlaß.
Wie kan es anders seyn? Ich muß zu grunde gehen/
durch dich/ gehasstes Lieb/ durch dich/ geliebter Haß.
(S. 646)