Drei Monate Fabrikarbeiter
[51] „Drei Monate Fabrikarbeiter“ Bescheid wißt ihr seit vielen Jahren im Innersten von Afrika, Und Menschenfresser und Barbaren, sie stehen greifbar vor uns da. Wir kennen alle ihre Fürsten, als hätten wir sie selbst geschaut; Sowohl ihr Glauben als ihr Dürsten sind uns geläufig und vertraut.
Hat ihre Bräuche, ihre Sitten getreulich er uns mitgeteilt. Seitdem zuerst man sie entdeckte, riß wieder ab nicht der Besuch; Von jedem Negerdialekte hat man zur Zeit ein Wörterbuch. Man weiß genau, wie sie zum Fechten gerüstet und gewaffnet stehn,
Man weiß, wie Nase, Lipp’ und Ohren durch spitzer Instrumente Druck Die Wilden kunstgerecht durchbohren für Feder- oder Muschelschmuck; Man weiß, wie sie die Köpfe pressen, wie sie ihr Opfer bringen dar; Ihr Wohnen, Rauchen, Schlafen, Essen, ja selbst ihr Beten sind uns klar,
Beschrieb, als wäre dies vonnöten, man uns mit deutscher Gründlichkeit. Mit ihren Schweinen, Ziegen, Hunden sind sie vertraut uns nur zu sehr: [52] Es sagt von diesen schwarzen Kunden uns niemand etwas Neues mehr. Ein Kandidat, den das Verlangen nach Wahrheit und nach Kenntnis trieb,
Er hat dem theolog’schen Stande entsagt und jedem „bessern“ Brauch; Er hat im rußigen Gewande geschuftet wie die andern auch. Inmitten eines Walds von Essen, der himmelwärts in Chemnitz strebt, Hat er geschlafen und gegessen als Arbeitsmann, kurz, so gelebt.
Hat er den Wanderstab genommen und seinen Kittel abgestreift; Er schlüpfte mit Behagen wieder in einen Rock von gutem Tuch Und setzte sich dann friedlich nieder und schrieb ein ziemlich dickes Buch, Ein Buch, in dem in Einzelbildern, mit denen es uns reich beschenkt,
Das Buch schlug ein; es ward verschlungen und ging sogar von Hand zu Hand, Denn anders hat das doch geklungen, als was im Wochenblättchen stand. Man war verblüfft; nicht abzuweisen war ja, woran man nie gedacht, Der Vorwurf, daß Entdeckungsreisen man jetzt im eignen Volke macht.
Vom eignen Volk und seinen Leiden, von seinem Leben wißt ihr nichts!