Disputation

by Heinrich Heine

[261]

 Disputation. In der Aula zu Toledo Klingen schmetternd die Fanfaren; Zu dem geistlichen Turnei Wallt das Volk in bunten Schaaren.

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Das ist nicht ein weltlich Stechen,

Keine Eisenwaffe blitzet – Eine Lanze ist das Wort, Das scholastisch scharf gespitzet. Nicht galante Paladins

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Fechten hier, nicht Damendiener –

Dieses Kampfes Ritter sind Kapuziner und Rabbiner. Statt des Helmes tragen sie Schabbesdeckel und Kapuzen;

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Scapulier und Arbekanfeß

Sind der Harnisch, drob sie trutzen.

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Welches ist der wahre Gott?

Ist es der Hebräer starrer Großer Eingott, dessen Kämpe

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Rabbi Juda, der Navarrer?

Oder ist es der dreifalt’ge Liebegott der Christianer, Dessen Kämpe Frater Jose, Gardian der Franziskaner?

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Durch die Macht der Argumente,

Durch der Logik Kettenschlüsse Und Citate von Autoren, Die man anerkennen müsse, Will ein jeder Kämpe seinen

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Gegner ad absurdum führen

Und die wahre Göttlichkeit Seines Gottes demonstriren. Festgestellt ist: daß derjen’ge, Der im Streit ward überwunden,

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Seines Gegners Religion

Anzunehmen sei verbunden,

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Daß der Jude sich der Taufe

Heil’gem Sacramente füge, Und im Gegentheil der Christ

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Der Beschneidung unterliege.

Jedem von den beiden Kämpen Beigesellt sind elf Genossen, Die zu theilen sein Geschick Sind in Freud und Leid entschlossen.

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Glaubenssicher sind die Mönche

Von des Gardians Geleitschaft, Halten schon Weihwasserkübel Für die Taufe in Bereitschaft, Schwingen schon die Sprengelbesen

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Und die blanken Räucherfässer –

Ihre Gegner unterdessen Wetzen die Beschneidungsmesser. Beide Rotten stehn schlagfertig Vor den Schranken in dem Saale,

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Und das Volk mit Ungeduld

Harret drängend der Signale.

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Unterm güldnen Baldachin

Und umrauscht vom Hofgesinde Sitzt der König und die Kön’gin;

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Diese gleichet einem Kinde.

Ein französisch stumpfes Näschen, Schalkheit kichert in den Mienen, Doch bezaubernd sind des Mundes Immer lächelnde Rubinen.

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Schöne, flatterhafte Blume –

Daß sich ihrer Gott erbarme – Von dem heitern Seine-Ufer Wurde sie verpflanzt, die arme, Hierher in den steifen Boden

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Der hispanischen Grandezza;

Weiland hieß sie Blanch’ de Bourbon, Donna Blanka heißt sie jetzo. Pedro wird genannt der König, Mit dem Zusatz der Grausame;

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Aber heute, milden Sinnes,

Ist er besser als sein Name.

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Unterhält sich gut gelaunt

Mit des Hofes Edelleuten; Auch den Juden und den Mohren

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Sagt er viele Artigkeiten.

Diese Ritter ohne Vorhaut Sind des Königs Lieblingsschranzen, Sie befehl’gen seine Heere, Sie verwalten die Finanzen.

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Aber plötzlich Paukenschläge,

Und es melden die Trompeten, Daß begonnen hat der Maulkampf, Der Disput der zwei Athlethen. Der Gardian der Franziskaner

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Bricht hervor mit frommem Grimme;

Polternd roh und widrig greinend Ist abwechselnd seine Stimme. In des Vaters und des Sohnes Und des heil’gen Geistes Namen

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Exorziret er dem Rabbi,

Jakob’s maledeiten Samen.

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Denn bei solchen Controversen

Sind oft Teufelchen verborgen In dem Juden, die mit Scharfsinn,

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Witz und Gründen ihn versorgen.

Nun die Teufel ausgetrieben Durch die Macht des Exorzismus, Kommt der Mönch auch zur Dogmatik, Kugelt ab den Katechismus.

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Er erzählt, daß in der Gottheit

Drei Personen sind enthalten, Die jedoch zu einer einz’gen, Wenn es passend, sich gestalten – Ein Mysterium, das nur

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Von Demjen’gen wird verstanden,

Der entsprungen ist dem Kerker Der Vernunft und ihren Banden. Er erzählt: wie Gott der Herr Ward zu Bethlehem geboren

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Von der Jungfrau, welche niemals

Ihre Jungferschaft verloren;

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Wie der Herr der Welt gelegen

In der Krippe, und ein Kühlein Und ein Oechslein bei ihm stunden,

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Schier andächtig, zwei Rindviehlein.

Er erzählte: wie der Herr Vor den Schergen des Herodes Nach Aegypten floh, und später Litt die herbe Pein des Todes

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Unter Pontio Pilato,

Der das Urtheil unterschrieben, Von den harten Pharisäern, Von den Juden angetrieben. Er erzählte: wie der Herr,

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Der entstiegen seinem Grabe

Schon am dritten Tag, gen Himmel Seinen Flug genommen habe; Wie er aber, wenn es Zeit ist, Wiederkehren auf die Erde

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Und zu Josaphat die Todten

Und Lebend’gen richten werde.

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„Zittert, Juden!“ rief der Mönch,

„Vor dem Gott, den ihr mit Hieben Und mit Dornen habt gemartert

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Den ihr in den Tod getrieben,

„Seine Mörder, Volk der Rachsucht, Juden, das seid ihr gewesen – Immer meuchelt ihr den Heiland, Welcher kommt, euch zu erlösen.

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„Judenvolk, du bist ein Aas,

Worin hausen die Dämonen; Eure Leiber sind Kasernen Für des Teufels Legionen. „Thomas von Aquino sagt es,

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Den man nennt den großen Ochsen

Der Gelehrsamkeit, er ist Licht und Lust der Orthodoxen. „Judenvolk, ihr seid Hyänen, Wölfe, Schakals, die in Gräbern

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Wühlen, um der Todten Leichnam’

Blutfraßgierig aufzustöbern.

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„Juden, Juden, ihr seid Säue,

Paviane, Nashornthiere, Die man nennt Rhinozerosse,

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Crocodile und Vampyre.

„Ihr seid Raben, Eulen, Uhus, Fledermäuse, Wiedehöpfe, Leichenhühner, Basilisken, Galgenvögel, Nachtgeschöpfe.

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„Ihr seid Vipern und Blindschleichen,

Klapperschlangen, gift’ge Kröten, Ottern, Nattern – Christus wird Eu’r verfluchtes Haupt zertreten. „Oder wollt ihr, Maledeiten,

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Eure armen Seelen retten?

Aus der Bosheit Synagoge Flüchtet nach den frommen Stätten, „Nach der Liebe lichtem Dome, Wo im benedeiten Becken

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Euch der Quell der Gnade sprudelt –

Drin sollt ihr die Köpfe stecken –

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„Wascht dort ab den alten Adam

Und die Laster, die ihn schwärzen; Des verjährten Grolles Schimmel,

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Wascht ihn ab von euren Herzen!

„Hört ihr nicht des Heilands Stimme? Euren neuen Namen rief er – Lauset euch an Christi Brust Von der Sünde Ungeziefer!

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„Unser Gott, der ist die Liebe,

Und er gleichet einem Lamme; Um zu sühnen unsre Schuld Starb er an des Kreuzes Stamme. „Unser Gott, der ist die Liebe,

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Jesus Christus ist sein Name;

Seine Duldsamkeit und Demuth Suchen wir stets nachzuahmen. „Deshalb sind wir auch so sanft, So leutselig, ruhig, milde,

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Hadern niemals, nach des Lammes,

Des Versöhners, Musterbilde.

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„Einst im Himmel werden wir

Ganz verklärt zu frommen Englein, Und wir wandeln dort gottselig,

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In den Händen Lilienstenglein.

„Statt der groben Kutten tragen Wir die reinlichsten Gewänder Von Moußlin, Brokat und Seide, Goldne Troddeln, bunte Bänder.

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„Keine Glatze mehr! Goldlocken

Flattern dort um unsre Köpfe; Allerliebste Jungfraun flechten Uns das Haar in hübsche Zöpfe. „Weinpokale wird es droben

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Von viel weiterm Umfang geben,

Als die Becher sind hier unten, Worin schäumt der Saft der Reben. „Doch im Gegentheil viel enger Als ein Weibermund hienieden,

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Wird das Frauenmündchen sein,

Das dort oben uns beschieden.

[272]
„Trinkend, küssend, lachend wollen

Wir die Ewigkeit verbringen, Und verzückt Halleluja,

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Kyrie Eleyson singen.“

Also schloß der Christ. Die Mönchlein Glaubten schon, Erleuchtung träte In die Herzen, und sie schleppten Flink herbei das Taufgeräthe.

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Doch die wasserscheuen Juden

Schütteln sich und grinsen schnöde. Rabbi Juda, der Navarrer, Hub jetzt an die Gegenrede: „Um für deine Saat zu düngen

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Meines Geistes dürren Acker,

Mit Mistkarren voll Schimpfwörter Hast du mich beschmissen wacker. „So folgt Jeder der Methode, Dran er nun einmal gewöhnet,

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Und anstatt dich drob zu schelten,

Sag’ ich Dank dir, wohlversöhnet.

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„Die Dreieinigkeitsdoktrin

Kann für unsre Leut nicht passen, Die mit Regula-de-tri

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Sich von Jugend auf befassen.

„Daß in deinem Gotte drei, Drei Personen sind enthalten Ist bescheiden noch, sechstausend Götter gab es bei den Alten.

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„Unbekannt ist mir der Gott,

Den ihr Christum pflegt zu nennen; Seine Jungfer Mutter gleichfalls Hab ich nicht die Ehr zu kennen. „Ich bedaure, daß er einst,

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Vor etwa zwölfhundert Jahren,

Ein’ge Unannehmlichkeiten Zu Jerusalem erfahren. „Ob die Juden ihn getödtet, Das ist schwer jetzt zu erkunden,

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Da ja das Corpus Delicti

Schon am dritten Tag verschwunden.

[274]
„Daß er ein Verwandter sei

Unsres Gottes, ist nicht minder Zweifelhaft; so viel wir wissen

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Hat der letztre keine Kinder.

„Unser Gott ist nicht gestorben Als ein armes Lämmerschwänzchen Für die Menschheit, ist kein süßes Philantröpfchen, Faselhänschen.

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„Unser Gott ist nicht die Liebe;

Schnäbeln ist nicht seine Sache, Denn er ist ein Donnergott Und er ist ein Gott der Rache. „Seines Zornes Blitze treffen

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Unerbittlich jeden Sünder,

Und des Vaters Schulden büßen Oft die späten Enkelkinder. „Unser Gott, der ist lebendig Und in seiner Himmelshalle

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Existiret er drauf los

Durch die Ewigkeiten alle.

[275]
„Unser Gott, und der ist auch

Ein gesunder Gott, kein Mythos Bleich und dünne wie Oblaten

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Oder Schatten am Cocythos.

„Unser Gott ist stark. In Händen Trägt er Sonne, Mond, Gestirne; Throne brechen, Völker schwinden, Wenn er runzelt seine Stirne.

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„Und er ist ein großer Gott.

David singt: Ermessen ließe Sich die Größe nicht, die Erde Sei der Schemel seiner Füße. „Unser Gott liebt die Musik,

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Saitenspiel und Festgesänge;

Doch wie Ferkelgrunzen sind Ihm zuwider Glockenklänge. „Leviathan heißt der Fisch, Welcher haust im Meeresgrunde;

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Mit ihm spielet Gott der Herr

Alle Tage eine Stunde –

[276]
„Ausgenommen an dem neunten

Tag des Monats Ab, wo nämlich Eingeäschert ward sein Tempel;

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An dem Tag ist er zu grämlich.

„Des Leviathan’s Länge ist Hundert Meilen, hat Floßfedern Groß wie König Ok von Basan, Und sein Schwanz ist wie ein Cedern.

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„Doch sein Fleisch ist delicat,

Delicater als Schildkröten, Und am Tag der Auferstehung Wird der Herr zu Tische beten „Alle frommen Auserwählten,

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Die Gerechten und die Weisen –

Unsres Herrgotts Lieblingsfisch Werden sie alsdann verspeisen, „Theils mit weißer Knoblauchbrühe, Theils auch braun in Wein gesotten,

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Mit Gewürzen und Rosinen,

Ungefähr wie Matelotten.

[277]
„In der weißen Knoblauchbrühe

Schwimmen kleine Schäbchen Rettig – So bereitet, Frater Jose,

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Mundet dir das Fischlein, wett’ ich!

„Auch die braune ist so lecker, Nämlich die Rosinensauce, Sie wird himmlisch wohl behagen Deinem Bäuchlein, Frater Jose.

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„Was Gott kocht, ist gut gekocht!

Mönchlein, nimm jetzt meinen Rath an, Opfre hin die alte Vorhaut Und erquick’ dich am Leviathan.“ Also lockend sprach der Rabbi,

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Lockend, ködernd, heimlich schmunzelnd,

Und die Juden schwangen schon Ihre Messer wonnegrunzelnd, Um als Sieger zu skalpiren Die verfallenen Vorhäute,

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Wahre spolia opima

In dem wunderlichen Streite.

[278]
Doch die Mönche hielten fest

An dem väterlichen Glauben Und an ihrer Vorhaut, ließen

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Sich derselben nicht berauben.

Nach dem Juden sprach aufs neue Der katholische Bekehrer; Wieder schimpft er, jedes Wort Ist ein Nachttopf, und kein leerer.

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Darauf replicirt der Rabbi

Mit zurückgehaltnem Eifer; Wie sein Herz auch überkocht, Doch verschluckt er seinen Geifer. Er beruft sich auf die Mischna,

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Commentare und Tractate,

Bringt auch aus dem Tausves-Jontof Viel beweisende Citate. Aber welche Blasphemie Mußt er von dem Mönche hören!

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Dieser sprach: der Tausves-Jontof

Möge sich zum Teufel scheren.

[279]
„Da hört alles auf, o Gott!“

Kreischt der Rabbi jetzt entsetzlich; Und es reißt ihm die Geduld,

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Rappelköpfig wird er plötzlich.

„Gilt nichts mehr der Tausves-Jontof, Was soll gelten? Zeter! Zeter! Räche, Herr, die Missethat, Strafe, Herr, den Uebelthäter!

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„Denn der Tausves-Jontof, Gott,

Das bist du! Und an dem frechen Tausvesjontof-Läugner mußt du Deines Namens Ehre rächen. „Laß den Abgrund ihn verschlingen,

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Wie des Kora böse Rotte,

Die sich wider dich empört Durch Emeute und Complotte. „Donnre deinen besten Donner! Strafe, o mein Gott, den Frevel –

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Hattest du doch zu Sodoma

Und Gomorrha Pech und Schwefel!

[280]
„Treffe, Herr, die Kapuziner,

Wie du Pharaon getroffen, Der uns nachgesetzt, als wir

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Wohl bepackt davon geloffen.

„Hunderttausend Ritter folgten Diesem König von Mizrayim, Stahlbepanzert, blanke Schwerter In den schrecklichen Jadayim.

385
„Gott! da hast du ausgestreckt

Deine Jad, und sammt dem Heere Ward ertränkt, wie junge Katzen, Pharao im rothen Meere. „Treffe, Herr, die Kapuziner,

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Zeige den infamen Schuften,

Daß die Blitze deines Zorns Nicht verrauchten und verpufften. „Deines Sieges Ruhm und Preis Will ich singen dann und sagen,

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Und dabei, wie Mirjam that

Tanzen und die Pauke schlagen.“

[281]
In die Rede grimmig fiel

Jetzt der Mönch dem Zornentflammten: „Mag dich selbst der Herr verderben,

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Dich Verfluchten und Verdammten!

„Trotzen kann ich deinen Teufeln, Deinem schmutz’gen Fliegengotte, Luzifer und Belzebube Belial und Astarothe.

405
„Trotzen kann ich deinen Geistern,

Deinen dunkeln Höllenpossen, Denn in mir ist Jesus Christus, Habe seinen Leib genossen. „Christus ist mein Leibgericht,

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Schmeckt viel besser als Leviathan

Mit der weißen Knoblauchsauce, Die vielleicht gekocht der Satan. „Ach! anstatt zu disputiren, Lieber möcht’ ich schmoren, braten

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Auf dem wärmsten Scheiterhaufen

Dich und deine Kameraden.“

[282]
Also tos’t in Schimpf und Ernst

Das Turnei für Gott und Glauben, Doch die Kämpen ganz vergeblich

420
Kreischen, schelten, wüthen, schnauben.

Schon zwölf Stunden währt der Kampf, Dem kein End ist abzuschauen; Müde wird das Publicum Und es schwitzen stark die Frauen.

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Auch der Hof wird ungeduldig,

Manche Zofe gähnt ein wenig. Zu der schönen Königin Wendet fragend sich der König: Sagt mir, was ist Eure Meinung?

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Wer hat Recht von diesen Beiden?

Wollt Ihr für den Rabbi Euch Oder für den Mönch entscheiden? Donna Blanka schaut ihn an, Und wie sinnend ihre Hände

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Mit verschränkten Fingern drückt sie

An die Stirn und spricht am Ende:

[283]
Welcher Recht hat, weiß ich nicht –

Doch es will mich schier bedünken, Daß der Rabbi und der Mönch,

440
Daß sie alle beide stinken.

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