Die Zecher

by Heinrich Kämpchen

[137] Die Zecher. Am heiligen Dreikönigstag Da saßen wir beisammen Und sprachen dies und sprachen das Und tranken dazu Glas auf Glas,

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Die Augen lohten Flammen. –

Wir waren fünfe an der Zahl, Kumpane und Genossen. Fünf lust’ge Brüder ohne Sorg’, Denn fehlte Geld, wir hatten Borg,

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So viel des Weins geflossen. –

[138] Zuvorderst saß der rote Hans, Ein Bursch’ voll Mut und Feuer. Er war der erste stets im Zug Mit seinem Witz, der Funken schlug,

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Der beste Mann am Steuer. –

Zur Seite ihm der lange Kurt, War auch ein Frohgeselle. Nie wich er von dem Zechgelag, Es mochte Nacht sein oder Tag,

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Wenn noch ein Freund zur Stelle. –

Dann kam der lustigste von uns, Der dicke Franz geheißen. Ihm lachte schon das Angesicht, Sah er den Wein im Römer licht

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Und in der Flasche gleißen. –

Der Vierte blieb ein stiller Mann Und sprach nicht viele Worte, Doch stand er fest in jedem Prall Und nimmer kam Freund Ott zu Fall,

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Auch bei der schwersten Sorte. –

Ich selber war ein loser Wicht, Doch nur ein mind’rer Zecher. Drum uzten mich die andern auch Und riefen: Heinz, was ist der Brauch? –

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Wir bringen dir den Becher. –

So saßen am Dreikönigstag Wir wieder froh zusammen Und sprachen dies und sprachen das Und tranken dazu Glas auf Glas,

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Die Augen lohten Flammen. –

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