Die weiße Blume
In Vaters Garten heimlich steht Ein Blümchen traurig und bleich; Der Winter zieht fort, der Frühling weht, Bleich Blümchen bleibt immer so bleich.
5
Die bleiche Blume schaut
Wie eine kranke Braut. Zu mir bleich Blümchen leise spricht: Lieb Brüderchen, pflücke mich! Zu Blümchen sprech ich: Das thu’ ich nicht,
10
Ich pflücke nimmermehr dich;
Ich such’ mit Müh und Noth Die Blume purpurroth. Bleich Blümchen spricht: Such’ hin, such’ her, Bis an deinen kühlen Tod,
15
Du suchst umsonst, find’st nimmermehr
Die Blume purpurroth; Mich aber pflücken thu’, Ich bin so krank wie du.