Die Verzagten

by Paul Haller

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Die Verzagten Sah in düstern Waldbereichen Meiner Heimat Nebel schleichen, Und das Herz war tot und kalt. Fühlte mich so ganz verlassen,

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Ging durch öde Tannengassen

Wie ein Pilger müd und alt. Wo die Nebel stürmisch flogen, Kam’s wie Menschen hergezogen, Schleppgewandig, lang und grau.

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Gingen, tief gesenkt die Köpfe,

Armer lebensmüder Tröpfe Eine bittre Elendsschau. Sprach der eine, den ich fragte: Wir sind an uns selbst Verzagte;

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Was wir suchen, weiß ich nicht.

Suchen, was wir nie besessen; Heut das Morgen zu vergessen, Hängen wir das Angesicht. Wimmernd kam’s aus langen Reihen

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Wie ein Schluchzen, wie ein Schreien:

Was wir suchen, weiß ich nicht. Suchen, was wir nie besessen; Heut, das Morgen zu vergessen, Hängen wir das Angesicht.

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Seltsam wie ein Niegehörtes,

Traulich wie ein Längstbegehrtes Rührte mich der Klageton.

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Grauer zogen sie und trüber

Zahl- und namenlos vorüber,

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Grüßten mich als Freunde schon.

Als aus fernen Nebeltiefen Dumpfgeheime Stimmen riefen, Hob sich rascher Fuß und Bein. Wild begann mein Herz zu schlagen,

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Und ich trat mit scheuem Wagen

In den Jammerzug hinein. Da, ein brüderlich Umschlingen Und ein traurig Jubelsingen Um den heimgefundnen Sohn.

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Hob dann selbst die müde Stimme,

Sang wie sie in weichem Grimme Den geliebten Klageton.

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