Die Vergänglichkeit
[178] Die Vergänglichkeit. (Gespräch auf der Straße nach Basel zwischen Steinen und Brombach, in der Nacht.) ———— Der Bub seit zum Aetti: Fast allmol, Aetti, wenn mer's Röttler Schloß so vor den Auge stoht, se denki dra, öbs üsem Hus echt au e mol so goht.
im Basler Todtetanz? Es gruset mer, wie länger aßi ’s bschau. Und üser Hus, es sizt jo wie ne Chilchli uffem Berg, und d'Fenster glitzeren, es isch e Staat.
I mein emol, es chönn schier gar nit sy. [179] Der Aetti seit: Du gute Burst, 's cha frili sy, was meinsch? 's chunnt alles jung und neu, und alles schlicht
und nüt stoht still. Hörsch nit, wie 's Wasser ruuscht, und siehsch am Himmel obe Stern an Stern? Me meint, vo alle rühr si kein, und doch ruckt alles witers, alles chunnt und goht.
De bisch no jung; uärsch, i bi au so gsi, jezt würds mer änderst, 's Alter, 's Alter chunnt, und woni gang, go Gresgen oder Wies, in Feld und Wald, go Basel oder heim,
briegg, alder nit! – und bis de bisch wien ich, e gstandene Ma, se bini nümme do, und d'Schof und Geiße weide uf mi'm Grab. [180] Jo wegerli, und 's Hus wird alt und wüst;
und d'Sunne bleicht der's schwärzer alli Tag, und im Vertäfer popperet der Wurm. Es regnet no dur d'Bühne ab, es pfift der Wind dur d'Chlimse. Drüber thuesch du au
und pletze dra. Z'lezt fuults im Fundement, und 's hilft nüt me. Und wemme nootno gar zweytusig zehlt, isch alles zsemme g'keit. Und endli sinkt 's ganz Dörfli in si Grab.
goht mit der Zit der Pflug – Der Bueb seit: Nei, was de seisch! Der Aetti seit:
[181] Isch Basel nit e schöni tolli Stadt? 's sin Hüser drinn, 's isch mengi Chilche nit so groß, und Chilche, 's sin in mengem Dorf nit so viel Hüser. 's isch e Volchspiel, 's wohnt
und menge[1], woni gchennt ha, lit scho lang im Chrütz-Gang hinterm Münster-Platz und schloft. 's isch eithue, Chind, es schlacht e mol e Stund, goht Basel au ins Grab, und streckt no do
en alte Thurn, e Giebel-Wand; es wachst do Holder druf, do Büechli, Tanne dört, und Moos und Farn, und Reiger sitze druf – 's isch schad derfür! – und sin bis dörthi d'Lüt
der Sulger, wo die arme Bettel-Lüt [182] vergelstert het, der Lippi Läppeli, und was weis ich[2], wer meh. Was stoßisch mi? Der Bub seit:
do sin, und do an Berg und Wald verbey! Dört obe jagt e wilde Jäger, weisch? Und lueg, do niden in de Hürste seig gwiß 's Eyer-Meidli g'lege, halber ful,
Der Aetti seit: Er het der Pfnüsel! Seig doch nit so närsch! Hüst Laubi, Merz! – und loß die Todte go, 's sin Nare-Posse! – Je, was hani gseit?
Und goht in langer Zit e Wanders-Ma [183] ne halbi Stund, e Stund wit dra verbey, se luegt er dure, lit ke Nebel druf, und seit si'm Camerad, wo mittem goht:
isch d' Peters-Chilche gsi, 's isch schad derfür!“ Der Bub seit: Nei Aetti, ischs der Ernst, es cha nit sy? Der Aetti seit:
und mit der Zit verbrennt di ganzi Welt. Es goht e Wächter us um Mitternacht, e fremde Ma, me weiß nit, wer er isch, er funklet, wie ne Stern, und rüeft „Wacht auf!
der Himmel, und es dundert überal, [184] z'erst heimli; alsgmach lut, wie sellemol wo Anno Sechsenünzgi der Franzos so uding gschoße het. Der Bode wankt,
und lüte selber Bet-Zit wit und breit, und alles betet. Drüber chunnt der Tag; o, bhütis Gott, me brucht ke Sunn derzu, der Himmel stoht im Blitz, und d' Welt im Glast.
und endli zündets a, und brennt und brennt, wo Boden isch, und niemes löscht. Es glumst zlezt selber ab. Wie meinsch, siehts us derno? Der Bub seit:
de Lüte denn, wenn alles brennt und brennt? [185] Der Aetti seit: Närsch, d'Lüt sin nümme do, wenns brennt, sie sin – wo sin sie? Seig du frumm, und halt di wohl,
Siehsch nit, wie d'Luft mit schöne Sterne prangt! 's isch jede Stern verglichlige ne Dorf, und witer oben isch e schöni Stadt, me sieht sie nit vo do, und haltsch di gut,
und findsch der Aetti dört, wenn's Gottswill isch, und 's Chüngi selig, d' Mutter. Oebbe fahrsch au d' Milchstroß uf in die verborgeni Stadt, und wenn de sitwärts abe luegsch, was siehsch?
[186] der Blauen au, äs wie zwee alti Thürn, und zwische drinn isch alles use brennt, bis tief in Boden abe. D'Wiese het ke Wasser meh, 's isch alles öd und schwarz,
und seisch di'm Cammerad, wo mitder goht „Lueg, dört isch d'Erde gsi, und selle Berg „het Belche gheiße! Nit gar wit dervo „isch Wisleth gsi, dört hani au scho glebt,
„und brochet, Matte g'raust, und Liecht-Spöh' g'macht, „und gvätterlet, biß an mi selig End, „und möcht jez nümme hi.“ – Hüst Laubi, Merz!