An die Tulpe

by August Graf von Platen

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 An die Tulpe.  1812. Andre mögen Andre loben, Mir behagt dein reich Gewand; Durch sein eigen Lied erhoben Pflückt dich eines Dichters Hand.

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In des Regenbogens sieben

Farben wardst du eingeweiht, Und wir sehen was wir lieben An dir zu derselben Zeit. Als mit ihrem Zauberstabe

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Flora dich entstehen ließ,

Einte sie des Duftes Gabe Deinem hellen bunten Vließ; Doch die Blumen all’, die frohen Standen nun voll Kummer da,

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Als die Erde deinen hohen

Doppelzauber werden sah. Göttin! o zerstör’ uns wieder, Denn wer blickt uns nur noch an? Sprach die Rose, sprach der Flieder,

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Sprach der niedre Thymian.
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Flora kam, um auszusaugen

Deinen Blättern ihren Duft: Du erfreu’st, sie sagt’s, die Augen, Sie erfreu’n die trunkne Luft.

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