Die Stadt im Meer

by Edgar Allan Poe

[39] Die Stadt im Meer. Das ist des Todes Residenz, Diese seltsame Stadt im fernen Westen. Hier thront er und ertheilt Audienz Den Bösen und Guten, den Schlimmsten und Besten.

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Hier stehen mächtige Säulenhallen

(Zermorschtes Gemäuer, das nicht zittert) Neben Kapellen und Kathedralen Und hohen Palästen, schwarz und verwittert. Ringsum, vom Winde vergessen, ruht,

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Wie schlafend, eine eisige Fluth.

Kein Strahl aus dem himmlischen Gewölbe Fällt auf das Dunkel dieser Stadt; Doch einen Schimmer traurig und matt Entsendet das Meer, das röthlich gelbe,

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Und der kriecht hinauf an dunklen Palästen,

An babylonischen Thürmen und Vesten Der kriecht empor an eisernen Kerkern, Und schattigen, ausgestorbenen Erkern, [40] Der schlängelt sich aufwärts an Säulenhallen

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Und an gigantischen Kathedralen

Mit steinernem Zierrath von grotesken Blumengewinden und Arabesken, An vielen wundersamen Kapellen Und gleitet zurück in die kalten Wellen,

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Die melancholischen, schweigenden Wellen.

Von einem stolzen Thurm übersieht Der finstere König sein Gebiet. Tempel und Gräber öffnen sich weit – Da erglänzt eine seltsame Herrlichkeit.

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Doch weder die Gräber mit ihren Schätzen,

Noch die demantenen Augen der Götzen Locken die Wogen aus ihrem Bette. Gläsern bleibt die schaurige Glätte, Kein Hauch, kein noch so leises Säuseln

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Erhebt sich, diese Fläche zu kräuseln,

Kein Schwellen erzählt von glücklichen Seeen, Worüber heitere Lüfte wehen, Kein Wallen erzählt, daß es Meere giebt Die weniger grauenhaft ungetrübt.

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Da regt sich etwas im trägen Meere,

Als wären die Thürme plötzlich versunken Und hätten die Fluth auseinandergeschoben; [41] Die Woge färbt sich, als ob ein Funken, Ein wärmender Sonnenfunken von oben

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Auf sie herniedergeglitten wäre.

Und wenn nun durch den geöffneten Spalt Der trägen, melancholischen Fluth Die seltsame Stadt versinkt – dann zahlt Ihr die Hölle selber Tribut.

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