Die Sonnenuhr

by Rainer Maria Rilke

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DIE SONNENUHR

Selten reicht ein Schauer feuchter Fäule aus dem Gartenschatten, wo einander Tropfen fallen hören und ein Wander- vogel lautet, zu der Säule,

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die in Majoran und Koriander

steht und Sommerstunden zeigt; nur sobald die Dame (der ein Diener nachfolgt) in dem hellen Florentiner über ihren Rand sich neigt,

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wird sie schattig und verschweigt —.

Oder wenn ein sommerlicher Regen aufkommt aus dem wogenden Bewegen hoher Kronen, hat sie eine Pause; denn sie weiß die Zeit nicht auszudrücken,

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die dann in den Frucht- und Blumenstücken

plötzlich glüht im weißen Gartenhause.

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