Die Reise
Dem kind entzückt in karten und pastelle Die schöpfung seiner weiten gier entspricht. Wie gross ist doch die welt bei lampenhelle! Wie ist sie klein in der erinnrung licht!
Das herz mit bittrem wunsch und bittrem weh · Wir wiegen in uns nach dem takt der fluten Ein unbegrenztes auf begrenzter see. [183] DIE um verhasster heimat zu entkommen ·
Erforscher die in weibes aug verschwommen · Der Kirke mit verderblich süssem hauch. Um nicht behext als tiere zu verharren Enteilen sie in raum und luft und strahl ·
Verwischt allmählich sich der küsse mal. Die wahren wandrer aber sinds die reisen Nur um zu reisen – federleichter hauf! Sie können nie ihr schicksal von sich weisen ·
Und ihre wünsche sind aus wolkenländern – So träumt ein neuling der zu felde zog Von weiten freuden die sich ständig ändern Und die noch nie ein menschengeist erwog.
[184]In sprung und walzer. ja · auch wenn ihr schlaft So schwingt die neugier über euch die geissel · Ein strenger engel der planeten straft. O seltne fahrt die jedes ziel verstattet!
Wobei der mensch dess hoffnung nie ermattet Nach ruhe strebt und rennt wie rasend fort. Die seele ist ein dreimast auf der suche. Die augen auf! erschallt es in dem schiff ·
Ruhm .. liebe .. glück! – o fluch! es ist ein riff. Und jede insel die der wächter kündet Erscheint ein gold-schloss vom geschick erbaut · Der fabelsinn der dort sein reich schon gründet
[185] O armer freund von zaubrischen gezelten! Er soll ins meer · er soll in strenge haft · Der trunkne seemann · finder neuer welten Durch deren schein die gruft uns jäher klafft!
Ins blaue guckt · sich paradiese malt Und wie verzückt ein Capua erratend Allwo ein kien aus einer hütte strahlt.
Ihr hehren wandrer! welche edlen sätze
O zeigt uns eures reichen lebens schätze · Die perlen hergestellt aus stern und wind! Wir wollen reisen ohne dampf und räder. O lasst damit ihr unsren kerker sonnt
Der bilder strom umrahmt mit horizont! Sagt was ihr saht!
[186]Wir sahen sternenflittern Wir sahen wogenprall und sandrevier. Trotz vielen schlägen vielen ungewittern
Der sonne glanz auf veilchenfarbnen meeren Der glanz der städte wenn die sonne sinkt Entzündete in uns ein heiss begehren Nach einem himmel der verlockend winkt.
Sie haben nie den zauber ausgeübt Wie solche hoch im wolkigen gebilde – Die sehnsucht machte immer uns betrübt. O sehnsucht · der genuss verleiht dir kräfte ·
Erstarren auch und schwinden deine säfte: Strebt dein geäst zur sonne wie verjüngt! [187] Du alter baum · wirst du so dauernd sitzen Wie die zipresse?.. doch wir haben da
Ihr brüder · alles fremde liebt ihr ja! Wir grüssten götzen mit verwachsnem strunke Und thronen mit juwelbeseztem saum Paläste voll von feeenhaftem prunke ·
Und sitten wie sie unser aug berauschen: Die frauen die sich färben zahn und hand · Und weise gaukler denen schlangen lauschen ...
Was noch? was noch?
[188]O kindlicher verstand!
Wir suchten nie · wir fanden überviel Hinauf hinab die unheilvollen stiegen Der ewigen sünde widerwärtig spiel. Das weib das albernheit und stolz verdüstern
Der mann · ein vogt gefrässig hart und lüstern · Der sklavin sklave und im kot ein fluss. Des henkers lachen und des opfers ächen Das fest durch blutige schau gewürzt und roh
Das volk vertiert und seiner knute froh. Viel glaubensarten unsrer eignen gleiche Von denen jede zu dem himmel klimmt Und – wie ein lüstling aus der daunen weiche –
[189] Die menschheit schwatzend · ihren geist bejuchzend Und toll wie früher · unveränderlich · Zu Gott in wilden todeskämpfen schluchzend: O Herr! o meines gleichen! fluch auf dich!
Die aus dem eingepferchten haufen bricht Dass sie im weiten reich des mohnes fröhne ... So heisst des erdballs ewiger bericht.
Ein bittres wissen das die reise spendet!
Und immer unser bild uns zugewendet · Ein fels von schreck im meer des leids verstreut. Verbleiben? ziehen? bleib kann dirs genügen! Geh wenn du musst! der rennt · der deckt sich zu
Die Zeit – ach! läufer giebt es ohne ruh [190] Dem Ewigen Juden gleich · dem glaubenswandrer Für die kein wagen ausreicht und kein boot Die quälerin zu fliehen – und manch andrer
Und fühlen wir im rücken ihre spuren Dann hoffen wir und rufen laut: voran! So wie wir ehemals nach China fuhren Die augen weit die haare im orkan ·
Mit junger pilger frohem pulseschlag .. Ihr hört das reizende und schlimme flüstern Der stimmen: »hierher wer da essen mag Vom lotus düftevoll! hier könnt ihr lesen
Berauscht euch an dem seltsam süssen wesen Des nachmittages der sich endlos dehnt.« Wir kennen am vertrauten ton die Spektren · Die Pylade · den arm uns zugekehrt –
So spricht sie deren knie wir einst verehrt.
[191]Tod! alter seemann · auf zum ankerlichten! Dies land hier sind wir müd · o Tod voraus! Mag luft und meer zu tinte sich verdichten ·
Gieb uns dein gift! es soll von trost uns reden · Lass uns – ein wildes feuer uns durchfuhr – Zum abgrund tauchen · hölle oder eden · Zum Unbekannten nach des Neuen spur!