Die reinen Frauen

by Julius Rodenberg (1831–1914) · 1862 German

Die reinen Frauen steh'n im Leben
Wie Rosen in dem dunklen Laub;
Auf ihren Wünschen, ihrem Streben
Liegt noch der feinste Blütenstaub.

In ihrer Welt ist keine Fehle,
Ist Alles ruhig, voll und weich:
Der Blick in eine Frauenseele
Ist wie ein Blick in's Himmelreich.

Wol sollst Du hören hohe Geister,
Verehren sollst Du Manneskraft;
Dich sollen lehren Deine Meister,
Was Kunst vermag und Wissenschaft.

Doch was das Höchste bleibt hinieden,
Des Ew'gen nur geahnte Spur,
Was Schönheit, Poesie und Frieden:
Das lehren Dich die Frauen nur! (S. 16)
_____

More poems by Julius Rodenberg

  • Andacht der Liebe

    Seit ich Dich liebe, holdes Kind,
    Fühlt sich mein Leben stolz und kühn;
    Heiß Blut durch meine Adern rinnt, …
  • Ballkönigin

    Dir bring' ich nicht die duft'ge Rose,
    Die schönste Rose bist ja Du!
    In diesem frölichen Getose …
  • Beim Veilchensuchen

    Die milden Frühlingsfeuer
    Wie stralen sie Tag und Nacht!
    Was je dem Herzen teuer, …
  • Blühendes Tal

    Wo ich zum ersten Mal Dich sah
    Wie üppig grünt die Wiese da!
    Wo ich zum ersten Mal Dich sprach, …

All poems by Julius Rodenberg →