Die Minnesänger
Zu dem Wettgesange schreiten Minnesänger jetzt herbei; Ei, das giebt ein seltsam Streiten, Ein gar seltsames Turnei!
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Phantasie, die schäumend wilde,
Ist des Minnesängers Pferd, Und die Kunst dient ihm zum Schilde, Und das Wort, das ist sein Schwert. Hübsche Damen schauen munter
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Vom beteppichten Balkon’,
Doch die rechte ist nicht drunter Mit des Sieges Myrthenkron’. Andre Leute, wenn sie springen In die Schranken, sind gesund;
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Aber Minnesänger bringen
Dort schon mit die Todeswund’. [75] Und wem dort am besten dringen Liedes Blutström’ aus der Brust, Der wird’s beste Lob erringen,
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Und sein Weh giebt Andern Lust.