Die Kuß-Scheue

by Hans Aßmann Freiherr von Abschatz


Du stellest dich so wilde
Wenn ich dich küssen will:
Wilt du dich nennen milde /
So weigre dich nicht viel.

Allmosen bald empfangen
Ist einstens noch so lieb /
Als was man muß erlangen
Durch langen Bittens Trieb.

Verziehestu zu geben /
Was du doch loß wilt seyn?
Ich wills mit Wucher heben
Und doppelt bringen ein.

Du würdest meiner spotten
Ließ ich dich gehn vorbey /
Und sagen / daß zum Gutten
Ich viel zu furchtsam sey.

Drum Cloris laß dich küssen;
Und soltest du zum Schein
Dich widersetzen müssen:
Es muß geküsset seyn.
(aus: Anemons und Adonis Blumen S. 254)

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