Die Kartenlegerin

by Joachim Ringelnatz

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Die Kartenlegerin

Das Schiff war schon im Hafen leck. Man besserte an dem Schaden. Das Schiff hatte Fässer geladen Und Passagiere im Zwischendeck.

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Mittags stieg eine Negerin

In das Matrosenlogis. Sie wäre Kartenlegerin, Bedeutete sie. „Two shillings“ – oder ein Kleidungsstück,

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Sie zeigte auf wollene Sachen.

So eine weiß manchmal, wie man sein Glück Kann machen.

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Sie redeten voreinander dumm,

Gaben der Alten zu saufen,

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Drückten ihr lachend am Busen herum

Und ließen sie dann laufen. Nachts hockte die alte, schwarze Kuh An Deck zwischen Fässern und Tauen. Vor ihr lag Kuttel Daddeldu

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Dienstmüde und dachte an Frauen.

Da legte die Kartenlegerin Die Karten, die ihn betrafen, An Deck und murmelte vor sich hin. Kuttel war eingeschlafen.

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Sie murmelte Worte in den Wind.

Das Schiff fing an zu rollen. Das Schiff und die Menschen darauf sind Verschollen.

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